Warum Erziehungsratgeber so erfolgreich sind, aber nur selten zum Erfolg führen

Die Qual der Wahl im Buchmarkt-Dschungel der Erziehungsnachschlagewerke hast Du vielleicht auch schon einmal erlebt. Große Shops wie Amazon liefern derzeit sage und schreibe 40.000 Treffer zum Thema. Doch auch im Buchladen nebenan verliert man bei der großen Auswahl an Autoren, die Dir den schnellsten und richtigen Weg aus Deiner persönlichen Erziehungskrise versprechen, schnell den Überblick.


Die Überforderung der Erziehungsratgeber

Wem sollte man nun aber Glauben und vor allem das nötige Vertrauen schenken? Die angebotenen Erziehungsstile und -modelle könnten mitunter unterschiedlicher kaum sein. Michael Winterhoff etwa, der mit seinen populären Büchern wie „Tyrannen müssen nicht sein“ von Experten durchaus zur autoritären Außenlinie gezählt wird, oder etwa Jesper Juul, der eher das gemäßigte „weiche“ Gegenmodell verkörpert. Beide Autoren sind in Internet-Foren sehr häufig Gegenstand oft hitziger und breiter Auseinandersetzungen um Erziehungsfragen. Auch wenn sie im professionellen pädagogischen und psychologischen Kontext kaum eine Rolle spielen, so erreichen ihre Ideen bei Hilfe- und ratsuchenden Eltern eine außergewöhnlich hohe Aufmerksamkeit. Und dies betrachte ich im Rahmen meiner Tätigkeit in der Eltern- und Familienberatung mit zunehmender Sorge. Nicht weil ich mit deren Thesen nicht einverstanden wäre, sondern weil deren Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu unabsehbaren Schwierigkeiten führen kann.


Jedes Familiensystem ist einzigartig und hochkomplex


Als systemische Therapeutin weiß ich nur allzu gut, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung der Gesamtsituation einer Familie ist. Nur, weil ich mit einem speziellen Beratungskonzept mehrmals großen Erfolg hatte, bedeutet es noch lange nicht, dass dieses in jeder Situation oder Konstellation zum gewünschten Ergebnis führt. Jede individuelle Ausgangslage, jedes Familiensystem mit ihren einzigartigen Biographien ist in sein